Gewaltformen

In der täglichen Arbeit bei FOOTPRINT sind wir mit vielen verschiedenen Gewaltformen konfrontiert. Gewalt an Frauen zu definieren ist nicht einfach, da Frauen auf vielfältige Art und Weise Gewalt erleben. Die angeführten Gewaltformen dienen hier lediglich als Beispiele um verschiedenen Dimensionen von Gewalt an Frauen zu beleuchten. Eine Person kann jedoch mitunter von mehreren Gewaltformen gleichzeitig betroffen sein. 

Häusliche Gewalt

Bei häuslicher Gewalt handelt es sich um missbräuchliches Verhalten, welches meist von (Ex-)Partner*innen ausgeht. Die Tat muss nicht zwangsläufig in der geteilten Wohnung stattfinden und häufig ist gerade die Phase während oder nach einer Trennung eine sehr kritische. Menschen sind von diesem Phänomen unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Alter betroffen. Häusliche Gewalt kann dabei sowohl psychische, körperliche als auch sexualisierte Komponenten aufweisen. Drohungen, Schläge oder soziale Kontrolle können Teil der Gewaltausübung sein. Da das Erlebte oft mit Scham in Verbindung gebracht wird, werden Gewalterfahrungen innerhalb einer Beziehung häufig nicht zur Anzeige gebracht, sondern von den Betroffenen oftmals über Jahre hinweg ertragen. 

Wenngleich Studien deutlich zeigen, dass vor allem Frauen im sozialen Nahraum von Gewalt durch einen Mann betroffen sind und das eigene zu Hause oftmals keine Sicherheit bietet, können Personen unabhängig von Geschlecht und Partnerschaft häuslicher Gewalt ausgesetzt sein. Häusliche Gewalt kann von Männern durch eine Partnerin oder von Frauen und Männern durch gleichgeschlechtliche Partner erfahren werden. 

Gewaltbeziehungen können aufgrund verschiedener Faktoren stabilisiert werden. Geschlechtsspezifische Sozialisierung, ökonomische und emotionale Abhängigkeit oder Angst vor der Reaktion der Täter*innen auf eine Trennung können dazu beitragen, dass gewalttätige Partnerschaften weitergeführt werden. 

Folgen häuslicher Gewalt können neben Verletzungen auch psychosomatische, körperliche oder psychische Auswirkungen sein. Das Auftreten von Herz- und Kreislaufprobleme, Magengeschwüre oder ein allgemein geschwächtes Immunsystem und eine damit verbundene höhere Anfälligkeit für Krankheiten sind mögliche Folgeerscheinungen. Depressionen, Antriebslosigkeit sowie Schlafstörungen  treten oftmals als psychische Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf. Die hier beispielhaft aufgezeigten Folgen können sich auch tiefgreifend auf die Persönlichkeit und das Selbstwertgefühl von Betroffenen auswirken. 

Quellen

Autonome Österreichische Frauenhäuser. Online verfügbar unter: https://www.aoef.at/index.php/studien-zu-gewalt?start=4

Frauen gegen Gewalt. Online verfügbar unter: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/haeusliche-gewalt-was-ist-haeusliche-gewalt.html

Re-empowerment! Online verfügbar unter: https://www.re-empowerment.de/gewalt/auswirkungen/folgen-haeuslicher-gewalt/

Stadt Wien. Online verfügbar unter: https://www.wien.gv.at/menschen/queer/schwerpunkte/lesbisch-gewalt.html

Fluchtspezifische Gewalt

Laut UNHCR sind weltweit 79,5 Millionen Menschen aufgrund von Konflikten, drohenden Verfolgungen und Menschenrechtsverletzungen gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Etwa die Hälfte dieser Personen sind Frauen (UNHCR 2020). Nicht nur die Motive, das eigene Land beziehungsweise den Wohnort zu verlassen sind unter Umständen von geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Faktoren beeinflusst, sondern auch die Erlebnisse auf der Flucht und am Ankunftsort. 

Die oftmals prekären Bedingungen auf der Flucht erhöhen die Gefahr sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt – nicht nur, aber insbesondere für Frauen und Mädchen. Sowohl unterwegs als auch in Flüchtlingsunterkünften ist die Basisversorgung oft nicht gesichert und keine Privatsphäre gewährleistet. In Camps, die häufig überfüllt sind und eine schlechte Infrastruktur haben, werden Aktivitäten wie Wasser holen, sich umziehen oder sich waschen für Frauen und Mädchen unter Umständen zu gefährlichen Situationen (IASC 2015).

Geschlecht ist hier zusammen mit anderen Identitätsmerkmalen, wie zum Beispiel ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung, eine Kategorie aufgrund derer Menschen diskriminiert und dadurch in ihrer Mobilität und in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden. Vor allem auch unbegleitete Minderjährige sind einem hohen Risiko von Ausbeutung ausgesetzt, wenn sie nicht offiziell registriert werden. Finanzielle Schwierigkeiten und eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten erhöhen zusätzlich die Gefahr für sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel auf der Flucht. 

Quellen

Inter-Agency Standing Committee (IASC). 2015. Guidelines for Integrating Gender-Based Violence Interventions in Humanitarian Action: Reducing risk, promoting resilience and aiding recovery. Online verfügbar unter: https://gbvguidelines.org/wp/wp-content/uploads/2015/09/2015-IASC-Gender-based-Violence-Guidelines_lo-res.pdf 

UNHCR 2020. Online verfügbar unter: https://www.unhcr.org/figures-at-a-glance.html

FGM – Weibliche Genitalverstümmelung

Weibliche Genitalverstümmelung bezeichnet die Beschneidung, Verletzung oder Entfernung der weiblichen Geschlechtsorgane oder Teilen davon ohne medizinischer Begründung (WHO 2020).

Derartige Eingriffe haben nicht nur keinen medizinischen Vorteil für Frauen und Mädchen, sondern führen im Gegenteil häufig zu Blutungen, Infektionen und langfristigen physischen und psychischen Schäden. Schätzungen zufolge sind etwa 200 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen (UNFPA 2020). Die Praktiken sind in Regionen in West-, Ost- und Nordost Afrika sowie in Gebieten im Nahen Osten und Asien besonders verbreitet, werden aber auch innerhalb migrantischer Gemeinschaften weltweit praktiziert. 

Begründungen für weibliche Genitalverstümmelung beziehen sich vor allem auf soziale Konventionen und Normvorstellungen zu Weiblichkeit und Sexualität und sind, entgegen häufiger Annahmen, nicht religiös legitimiert. Obwohl sich Personen, die derartige Eingriffe durchführen, mitunter auf religiöse Gründe beziehen, gibt es keine Religion, die Weibliche Genitalverstümmelung vorschreibt (WHO 2020). 

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und spiegelt geschlechtsspezifische Ungleichheiten wieder. Die Praxis wird meist an minderjährigen Mädchen durchgeführt und ist demnach auch eine Verletzung der Kinderrechte. 

Quellen: 

WHO 2020. Online verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/female-genital-mutilation 

UNFPA 2020.Female genital mutilation (FGM) frequently asked questions. Online verfügbar unter: https://www.unfpa.org/resources/female-genital-mutilation-fgm-frequently-asked-questions#women_affected